|
Von Saloondamen, Cowboys und Indianern
Lostorf Die Musikgesellschaft hatte ihr Jahreskonzert vom Wochenende ganz dem Motto «Wilder Westen» verschrieben
VON EUGEN BUSSLINGER
Am Wochenende führte die Musikgesellschaft Lostorf (MGL) ihr Jahreskonzert auf. Durch die Saloontüre betraten die Gäste den Saal, der mit Indianertipis, grossen Kakteen und einem riesigen Bisonbild geschmückt war. Kleine Kakteen standen auf den Tischen. Vor der Bühne prangte unübersehbar ein Galgen. Auf der Bühne lag ein grosser Strohballen, und das Bühnenbild zeigte drei ins Abendrot reitende Cowboys. Passend dazu war das Outfit der Protagonisten: Alle waren in Westernkleidung erschienen. Nebst den bewaffneten Cowboys sah man auch ein paar Saloondamen, Indianer, Häuptlinge und Squaws. Zuletzt trat sogar der Sheriff ins Scheinwerferlicht und hob den Taktstock.
Für Auflockerung gesorgt
Mächtig erklang zum Eingang die Filmmusik zu «Silverado», die vom Hawaiianer Bruce Broughton 1985 für den Film mit dem jungen Kevin Kostner geschrieben worden war. Im ruhigen Mittelteil waren schöne Oboen- und Flötenpassagen zu hören. Marina Joseph und Sergio Giorgetta sorgten mit ihren unterhaltsamen Ansagen für Auflockerung und machten die Zuschauer mit wichtigen Details zu den gespielten Werken bekannt.
Der 31-jährige Berner Musiker Mario Bürki hat sich in den letzten Jahren mit ansehnlichen Erfolgen in der Blasmusikszene etabliert. Die Komposition «Indian Fire» ist typisch für seine Programmmusik. Durch indianische Trommelklänge und andere Schlagzeuggeräusche schlängelt sich zuerst eine einfache Oboenmelodie. Die Indianer haben das Kriegsbeil ausgegraben, ihr Kriegstanz ist zu hören. Bald geht ein furchtbares Getümmel los, wobei die Trommeln bald von Kriegsgeheul, Peitschenknall und Gewehrschüssen übertönt werden. Eindrücklich schön wirkt darauf der ruhige Teil mit warmen Klarinettenklängen.
Echte Tänzerinnen und Tänzer
Nachdem bisher alles musikalisch dargestellt worden war, kamen nun auch echte Tänzerinnen und Tänzer zum Zuge. Geleitet von Charlotte Wehrli und ihrem Sohn Dominik, tanzten die Moonwalker Linedancers zu den Klängen von «Wine, Women and Song». Das Stück wurde vom Dirigenten Christian Joseph gekonnt für Blasorchester arrangiert und lebhaft vorgetragen.
Elmer Bernsteins Filmmusik zum monumentalen Hollywoodwestern «Die glorreichen Sieben» gilt bis heute als eine der bekanntesten Western- Filmmusiken überhaupt. Die ruhige, warme Melodie über zackigen, vom grossen Blech unterstützten Rhythmen wurde mit viel Enthusiasmus vorgetragen. – Immer wieder gerne gehört sind die Melodien aus den Winnetoufilmen. Der 1927 in Berlin geborene Martin Böttcher hatte sie in den Sechzigerjahren geschrieben.
Musik-Initiative näher gebracht
Präsident Stéphane Rothen freute sich bei seiner Begrüssung über den vollen Saal und gab bekannt, «dass die Musikgesellschaft im nächsten Jahr verschiedene Projekte mit der Musikschule zusammen geplant hat». Er verwies auch auf die wichtige schweizerische Initiative «Jugend und Musik», über die man im nächsten Jahr abstimmen kann. Dem Bassisten Cyrill Bonjour, der nach 20 Jahren Mitgliedschaft zum Ehrenmitglied ernannt wird, übergab er ein Präsent.
Die Jugendmusik Lostorf hatte im Juni am Jugendmusikwettbewerb in Schönenwerd den ersten Rang herausgespielt. Unter der Leitung von Daniela Niederhauser begeisterten die Nachwuchsleute hier bereits wieder mit einem neuen Programm, das ganz zum Thema passte. Sie spielten zuerst die «Cowboy Rhapsody» von Jerry Williams und darauf Ennio Morricones Hit zum Spaghettiwestern «Zwei glorreiche Halunken». Die beiden lustigen Ansager Joël Müller und Ramon Probst kündeten zum Schluss «A Western Trilogy» von Alan Robinson an. Die Jugendmusik verabschiedete sich mit der lebhaften Zugabe «Cowboys und Indianer».
Nochmals alle Register gezogen
Im zweiten Teil zog Christian Joseph als Sheriff mit seinen Leuten nochmals alle Register. Als Erstes bekam Ennio Morricones «Mann mit der Mundharmonika» aus dem Film «Spiel mir das Lied vom Tod» grossen Applaus. Eindrücklich war auch das sauber intonierte Flötenduett. Nach Johnny Cashs Megahit «Ring of Fire» betrat das Trompetenregister mit riesigen Sombreros die Bühne. Im anspruchsvollen dreistimmigen Mariachi- Trompetenstil erklang Pepe Guizars «Guadalajara». Diese virtuose Glanznummer musste wiederholt werden.
Nach dem lustigen Intermezzo der schnellsten Maus von Mexiko, «Speedy Gonzales», waren die Moonwalker Linedancers nochmals an der Reihe mit «North to Alaska». Mit grossem Applaus wurden darauf die jungen Tänzerinnen und Tänzer aus dem Verein bedacht, die zu «Achy Breaky Heart» einen eigenen Line-Tanz eingeübt hatten.
Zum Abschluss erklang die beliebte Titelmelodie aus der TV-Westernserie «Bonanza». Nach dem lang anhaltenden Schlussapplaus kam das Publikum noch in den Genuss von zwei Zugaben. Mit «Jambalaya», zusammen mit den Tänzern, und «Country Roads» wurde ein unterhaltsames Konzert abgeschlossen, das mit viel Liebe zum Detail vorbereitet worden war und den Anwesenden in schöner Erinnerung bleiben wird.
QUELLE: Oltner Tagblatt, vom 13.12.2011
|